Spurensuche im Inneren – ein Interview mit Wieland Woesler

Gestern habe ich die Fotos meiner Großeltern von der Wand genommen, sie zu einem kleinen Altar zusammengestellt, ein Licht davor entzündet. Es war Allerheiligen und da ich weit weg von den Gräbern meiner Großeltern lebe, habe ich auf meine Art an sie gedacht.

Sich mit seinen Ahnen zu verbünden, das passiert traditionell am 31.10./1.11.. Ob man nun Samhain feiert oder Allerheiligen – es ist ein Fest, das Himmel und Erde verbindet. Wir gedenken unserer Ahnen, schmücken ihre Gräber und bieten ihnen kleine Opfergaben dar.
Damit verbunden ist auch eine Zeit der Stille. Bevor der große Weihnachtstrubel einsetzt, möchte ich euch einladen, in euch zu gehen. Die Zeit der Ernte ist vorbei, nun geht es darum Abschied zu nehmen, zu trauern. Das ist die Qualität dieser Zeit. Sie will uns lehren, loszulassen, nicht an Vergänglichem festzuhalten.

Fragen dieser Zeit:

  • Wie habe ich mich im Laufe diesen Jahres verändert?
  • Wovon will ich mich lösen, was kann ich verabschieden?
  • Was sind die Gaben meiner Ahnen, wem bin ich ähnlich?

Wenn wir uns diesen Fragen stellen, dann beschäftigen wir uns unweigerlich mit unseren eigenen Wurzeln, mit unserer Herkunft.

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Wieland Woesler

Diese Spurensuche im Inneren ist nicht immer ganz einfach, das weiß ich sehr gut. Umso besser, wenn wir Verbündete haben, die uns auf diesem Weg begleiten.

Für mich ist einer dieser Verbündeten Wieland Woesler, der Leiter der Wildnisschule Seenland, wo ich meine Ausbildung in Wildnispädagogik mache. Die Spurensuche im Inneren, das Inner Tracking, ist sein Schwerpunkt und ich habe ihm dazu einige Fragen stellen dürfen.

Was bedeutet Inner Tracking für dich?

Für mich ist Inner Tracking, die Spurensuche im Inneren, das Grundwerkzeug für persönliche Zufriedenheit und persönliches Empfinden zum Glück.  Wir Menschen wollen uns entwickeln und Inner Tracking hilft uns dabei.

Am Anfang geht es darum, die eigenen Spuren zu verfolgen. Darum sich bewusst zu werden, dass es Spuren gibt, die ich hinterlasse und dass es Spuren gibt, die in mir hinterlassen worden sind, die mich prägen.

Und nicht nur das: Tag für Tag entstehen wieder neue Spuren. Wir leben in verschiedenen Beziehungsfeldern,  stehen in Beziehung zu anderen Menschen, zu unserer Familie, zu unserer Arbeit, zu unseren Freunden, zu unseren Nachbarn. All diese Beziehungsfelder haben Einfluss auf uns und es ist wichtig, dass wir uns dessen bewusst werden. Wir prägen unsere Umwelt und unsere Umwelt prägt uns, das hat die Hirnforschung auch bestätigt. Spiegelneuronen sorgen dafür dass wir die Menschen in unserem Umfeld unbewusst nachahmen und sie uns.

Durch Inner Tracking können wir uns dieser Einflüsse und Prägungen bewusst werden. Ein Prozess kommt in Gang, der viele Fragen aufwirft. Wo stehe ich gerade mit meinen Bedürfnissen, meinen Werten und Wünschen? Wie ist die Beziehung zu meiner Umwelt? Wo lebe ich, fühle mich mich da sicher, zuhause? Was will ich eigentlich in die Welt bringen? Was macht mich zufrieden, was macht mich glücklich? Lebe ich das, was ich an Potential habe? Bin ich mir dessen bewusst?

Kann ich meine eigene Gabe in die Welt zu bringen für mich und für die anderen? Oder ist das ein Schatz in mir, der brachliegt, der ein Riesengeschenk wäre, für all um mich herum?

Inner Tracking hilft uns, uns mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.

Wann war deine erste Begegnung mit der Spurensuche im Inneren? Wie war dein Weg dahin?

Es gab einen Moment in meinen Leben, wo es eine Wendung gab. Als ich ungefähr 20 Jahre alt war, ist ein Samen aufgegangen, der in mir geruht hat. In diesem Moment wurde mir klar dass ich etwas mit Natur machen musste.

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Spurensuche im Eis

 

Ich habe mich auf den Weg gemacht. Meine erste Station war ein Medizinradtreffen des uramerikanischen Aktivisten Sunbear. Auf dem Treffen habe ich das erste Mal uramerikanische Philosophie mitbekommen, das war mein Einstieg.

Dadurch bin ich mit vielen Menschen in Kontakt gekommen, habe mehrere Schwitzhütten besucht und mit 22 Jahren eine Visionssuche unternommen.

In der Rückschau hatte ich aber auch schon vorher eine soziale Ader, es war mir immer wichtig, wie es den Menschen geht. Das hat mit meinem Aufwachsen zu tun, aber auch mit meinen Vorfahren. Darunter finden sich viele Lehrer, Gärtner und Pädagogen.

Auf meinem weiteren Weg haben mich zwei Menschen besonders beeinflusst:

Das ist zum einen Jon Young, der für mich ein Türöffner zu den Menschen war. Er hat mich gelehrt, Menschen durch Mentoring auf ihrem Weg zu begleiten.

Die andere ist die dieses Jahr leider verstorbene Sobonfu Somé, die die mich gelehrt hat, mich mit meinem eigenen Schmerz auf eine gute, kreative Art auseinanderzusetzen.

Inner Tracking, Wildnispädagogik? Welche Verbindung gibt es da?

In unseren Seminaren geht es um die eigene Verbindung zur Natur. Wir nehmen das Tempo raus, erhöhen stattdessen die Wahrnehmung. Wenn wir Vögel beobachten oder Spuren lesen, dann sind wir automatisch langsamer, werden wir still.

Und in der Stille tauchen dann Fragen auf: Ich bin mit der Natur gut verbunden, bin ich auch gut mit mir verbunden? Wie sieht es in meinem Leben aus? Bin ich mit den Menschen um mich herum gut verbunden?

Bei vielen Menschen kommt meistens ein Schmerz hoch, sobald diese Fragen auftauchen. An dieser Stelle wollen wir den Menschen durch Inner Tracking helfen, sich weiter zu entwickeln.

Wir wollen die Menschen auf ihrer Reise begleiten und darum ist für uns in der Wildnispädagogik Inner Tracking ein unverzichtbares Werkzeug.

Vielen Dank dir. Für Menschen, die sich weiter für Inner Tracking interessieren: Welche Angebote bietest du an?

2018 werden wir auf jeden Fall  mehrere Visionsgänge anbieten. Fest steht jetzt schon  ein Termin vom 30.5. bis zum 3.6.18. Außerdem wird es Inner Tracking für Paare geben. Weitere Angebote und Termine findet ihr demnächst auf www.wildnisschule-seenland.de.

Außerdem ist die Wildnisschule Seenland auf Facebook und auf Instagram vertreten.

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