Naturerfahrungen in der Großstadt – von Bäumen, Vögeln und Füchsen

Ahornblätter

Am Wochenende war ich in Berlin auf der Blogst, wo es sehr großartig war. Ich habe dort sehr viel über das Bloggen gelernt und tolle neue Leute kennen gelernt. Was mir aber ein bisschen gefehlt hat, während ich am Tag davor durch die Straßen Berlins strich, war die Natur. Ich sah zuerst nur das Grau und gar nicht die vielen Möglichkeiten für Naturerfahrungen, die überall auf Entdeckung warteten.

Dabei muss das gar nicht sein, denn auch in der Stadt gibt es ganz viel zu entdecken, man muss nur genau hinschauen. Und darum habe ich das für mich und für euch einmal zusammen getragen.

Naturerfahrungen für jeden Tag: Bäume

Am Anfang stehen natürlich die Bäume. Sie sind unsere ersten Verbündeten, wenn es um Naturerfahrungen in der Großstadt geht. Viele Straßen sind von Bäumen gesäumt, sie begleiten uns auf unseren täglichen Wegen. Achtet mal darauf: Was für welche Bäume sind das eigentlich? Haben sie noch Blätter? Könnt ihr den Baum ohne Blätter identifizieren? Wie sieht die Rinde aus? Wie alt sind diese Bäume wohl? Was haben sie alles gesehen? (Gerade in einer Stadt wie Berlin eine spannende Frage.)

Naturerfahrungen: leuchtende Blätter im Herbst
Wessen Blätter leuchten noch so schön bunt?

Sind es indigene Bäume oder Exoten? Robinien oder Linden? Kastanien oder Platanen? Welche Früchte tragen sie? Wann blühen sie? Was kann man mit den Blüten alles anfangen? Robinienblüten wurden z.B. früher als Süßungsmittel genutzt, Lindenblüten sind noch heute zusammen mit Holunder der beste  Erkältungstee (dafür sollten die Bäume natürlich eher im Park als direkt neben der Straße stehen.)

Dies sind nur die ersten von vielen Fragen, die ihr euch stellen könnt, wenn ihr täglich an den Bäumen vorbeilauft. Schaut genau hin, lasst euch verführen, einen Moment stehen zu bleiben und dem Baum eure Aufmerksamkeit zu schenken.

Kleine Starthilfe: Beliebte Straßenbäume sind übrigens Kastanien (mehr Informationen zur Kastanie findet ihr hier),  Platanen, Linden, und Ulmen.

Naturerfahrungen vertieft: Die Vögel

Wenn ihr die Bäume aufmerksam betrachtet habt, werdet ihr feststellen, dass diese natürlich bewohnt sind. Welche Vögel wohnen in den Bäumen? Auf welcher Höhe? Könnt ihr sie hören? In der Großstadt singen die Vögel nämlich viel lauter als auf dem Land, um den Verkehr zu übertönen. Und ist das immer dieselbe Amsel, die ihr da hört?

Schaut mal genau hin, denn nicht nur ihr habt feste Wohnsitze, sondern auch die Tiere. Und nicht nur das: Ähnlich wie wir haben auch die Vögel ihre morgendlichen Routinen – die sie jedoch dem Stand der Sonne anpassen, keiner äußeren Uhr. Aber achtet einmal darauf, was die Amsel tut, wenn ihr aus der Haustür tretet.  Singt sie gerade? Oder frisst sie? Oder ist sie gar in Alarmstellung, weil Nachbars Katze vorbeischleicht? Mehr Informationen über die Sprache der Vögel und Amseln findest du hier.

Wanderfalken am Großstadthimmel

Wenn euch das noch nicht wild genug ist, dann geht mal auf den Friedhof oder in alte Parks. Dort, in den alten Bäumen, wohnen gerne Käuzchen (mehr über Käuzchen hier). Oder auch mal ein Habicht. Es gibt ungefähr 90 Habichtbrutpaare in Berlin und derzeit ist die Tendenz steigend. Eine Freundin von mir hat ihren Sitzplatz auf einem Berliner Friedhof und hat dieses Jahr ein Habicht Pärchen beobachten können. Dazu finde ich die kalte Jahreszeit übrigens hervorragend geeignet, denn jetzt kann man die Vögel aufgrund des fehlenden Blätterwerks viel besser beobachten. Einen tollen Überblick über das Habichtjahr in Berlin hat der Nabu  zusammengestellt..

Auch Uhus haben in die Großstädte Einzug gehalten, in Hamburg brüten sie auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Dieser NDR-Film hat darüber ausführlich berichtet. Darin wird auch von den Wanderfalken erzählt, die im Kirchstuhl von St.Jacobi ihr neues Heim gefunden haben.

Naturerfahrungen für Fortgeschrittene: Füchse

Naturerfahrungen in der Großstadt: Auch die Füchse haben ihren Anteil
Auch in der Stadt zu finden: der Rotfuchs

Ein weitere Akteur des NDR-Films sind die Füchse, die u.a. im Hamburger Hafen ihre Jungen aufziehen. Dass Füchse sich in Städten wohlfühlen, ist schon lange bekannt. Das Fotos des Fuchses, der in London Rolltreppe gefahren ist, hat dies nochmal auf besondere Weise illustriert. Auch in Deutschland haben es die reichhaltigen Mülltonnen den Füchsen in der Tat angetan. In Berlin gibt es jetzt sogar schon Richtlinien, wie man sich zu verhalten hat, wenn man Füchse entdeckt. Eine Gefahr geht von den Füchsen in den allermeisten Fällen nicht aus, im Gegenteil die Tiere sind eher scheu und gehen dem Menschen aus dem Weg. Ein bisschen Geduld müsst ihr bei der Suche nach den Füchsen mitbringen, doch auch sie leben überfall in der Stadt. Eine offensichtlicher Spur ist übrigens die Fuchslosung, die die Füchse gerne auf erhöhten Standorten als Reviermarkierung hinterlassen. Mehr über Füchse habe ich in diesem Blogpost geschrieben.

Doch auch wenn ihr keinen Fuchs findet, ich bin sicher, auch bei euch gibt es viel mehr wilde Tiere, als ihr bisher beobachtet habt. Bei uns fliegt jeden Morgen ein Graureiher durchs Wohngebiet und eines Tages werde ich herausfinden, wo er hinfliegt.

Eine tolle Praxis, um Tiere zu sehen, ist übrigens der von mir immer wieder gerne besuchte Sitzplatz. Infos über diese Praxis findet ihr hier.

Und zu guter Letzt eine Achtsamkeitsübung für die Tage, an denen ihr gar keine Zeit habt: Welche Bäume haben jetzt noch Blätter? Welche haben schon alle verloren? Was passiert beim ersten Frost?

Ich wünsche euch eine schöne Woche und würde mich freuen, von euren Naturerfahrungen und -erlebnissen in der Stadt zu lesen.

P.S. Ich habe diesen Beitrag als Teils des Naturdonnerstags bei Jahreszeitenbriefe verlinkt, schaut dort doch mal nach den anderen spannenden Beitragen.

Links:

Eine richtige Naturtherapie für gestresste Großstädter bietet Nadja Kühn in Berlin an. Schaut doch mal auf ihre Seite.

4 Comments

  1. Das kann ich bestätigen. Naturerfahrung geht auch in der Stadt. Und Füchse huschen hier in der Berliner Innenstadt auch öfter mal über die Höfe oder bereichern das Erlebnis einer S-Bahnfahrt, wenn man nur aus dem Fenster sieht.
    Trotzdem – so richtig Balsam für die Seele ist erst ein Waldausflug.

    Liebe Grüße
    Agnes

    1. Liebe Agnes, Danke dir für deine Worte. Du hast natürlich recht, ein Waldausflug hat eine ganz andere Wirkung. Aber für viele ist ein täglicher Gang in den Wald nicht machbar. Und die möchte ich einladen, die Möglichkeiten vor ihrer Haustür zu entdecken. Liebe Grüße, Kathrin

  2. Hallo Kathrin,
    das Thumbnail mit dem Fuchs hat mich bei Ghislana sofort magisch angezogen. Ich hatte in Frankfurt schon einige Fuchsbegegnungen und hin und wieder ist mir auch ein Foto geglückt. Die überraschenste Sichtung war die von einer Schleusenbrücke über den Main. Ich wollte eigentlich nur dem Flussdampfer zusehen, und entdeckte dabei unter mir auf einer winzigen Insel am Ufer den Rotfuchs. Wenn ich darauf hoffe, einen fotografieren zu können, klappt es meistens nicht, dafür tauchen sie garantiert immer dann auf, wenn ich nicht „schuss“bereit bin. Aber man muss ja auch nicht immer alles fotografieren.
    Liebe Grüße
    Elke

    1. Liebe Elke, vielen Dank für deinen schönen Kommentar. Wie toll, dass du von deiner Fuchssichtung erzählt hast! Ich finde es immer wieder spannend, wo die Tiere überall auftauchen. Interessanterweise habe ich manchmal das Gefühl, dass es in der Großstadt fast einfacher ist, einen Fuchs zu sehen, weil sie dort eher an Menschen gewöhnt sind. An meinem Sitzplatz im Wald ist der Fuchs sehr scheu. Herzliche Grüße
      Kathrin

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