Essbare Pflanzen im Frühling und deren giftige Doppelgänger

Essbare Pflanzen im Frühling

So langsam beginnt die Sammelzeit in Wald und Wiesen. Ich freue mich schon sehr auf das schöne Grün aus der Natur und die vielen tollen Vitamine, die darin stecken. Allerdings muss man auch genau wissen, was man sammelt, damit es nicht zu schweren Vergiftungen kommt. Denn einige essbare Pflanzen haben giftige Doppelgänger, deren Verzehr schwerwiegende Folgen haben kann.

Bevor ihr also losgeht, das frische Grün zu ernten, habe ich euch im folgenden zusammengestellt, bei welchen Wildkräutern ihr im Frühjahr besonders achtsam sein müsst. (Im Herbst werde ich noch einmal eine ähnliche Übersicht zu Beeren schreiben.)

Bärlauch

Wie ich mich auf den Bärlauch freue, für mich ist er einer der ersten Frühlingsboten. Letzte Woche war ich mit Dania Horky von Waldsinnen (so eine tolle Frau!!) in Wien unterwegs, und dort haben wir mitten im Prater ein riesiges Bärlauchfeld entdeckt. Bei dieser Gelegenheit haben wir gleich mal genau hingeschaut, woran man denn Bärlauch erkennt. Bärlauch ist nämlich mit mehreren giftigen Arten verwechselbar, darum heißt es vorsichtig sein beim Sammeln.

Essbare Pflanzen und giftige Doppelgänger: Bärlauch, Maiglöckchen und Herbstzeitlose
Bärlauch, Maiglöckchen und Herbstzeitlose im Vergleich. Zusammengestellt aus Otto Wilhelm Thomé (1840–1925): Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, 1885

Unterscheidungskriterium Aussehen

Bärlauch könnt ihr gut an seinen einzelnen Blattstielen erkennen. Die Mittelrippe des Blatts ist deutlich sichtbar. Das unterscheidet ihn von:

Maiglöckchen. Die Blattstiele sind nicht frei, sondern werden von anderen Blätter verhüllt. Die Blattrippe ist wenig deutlich.

Herbstzeitlose: Blätter haben keinen Stiel, sind fleischig, riechen unauffällig. Die Früchte sitzen am Grund der Blätter. Herbstzeitlose blühen im Herbst, im Frühling sind darum die Blätter leicht mit denen des Bärlauchs verwechselbar.

Aronstab: Auf den Blättern des Aronstabs sind netzartige Adern zu erkennen, die ausgewachsenen Blätter sind pfeilförmig, Blüte erscheint als Kolben.

Unterscheidungskriterium Standort

Doch nicht nur das Aussehen der Pflanze ist ein Unterscheidungsmerkmal, auch der Standort sagt einiges über die Pflanze aus:

Bärlauch braucht viel Feuchtigkeit und hat einen hohen Nährstoffbedarf. Er wächst gut in Laubwäldern im Schatten und Halbschatten. Generell (und zu meinem Kummer) kommt er in den alpinen Lagen und im Voralpenland sehr viel häufiger vor als in Norddeutschland. Bärlauch liebt kalkreiche Böden und breitet sich gut in Auwäldern aus, die regelmäßig überflutet werden. (Darum ist er auch in meinem Garten so gar nicht angewachsen).

giftiger Doppelgänger: Aronstab
Aronstab

Maiglöckchen haben ganz andere Ansprüche an den Boden als der Bärlauch. Sie haben keinen hohen Nährstoff- und Wasserbedarf und kommen an trockenen Stellen in Laubwäldern vor. Trotz dieser unterschiedlichen Ansprüche kommt es immer wieder vor, dass Maiglöckchen und Bärlauch direkt nebeneinander wachsen, das hat mir auch Dania bestätigt.

Die Herbstzeitlose hat zwar in Bezug auf Feuchtigkeit und Nährstoffe dieselben Ansprüche wie Bärlauch, allerdings benötigt sie viel Licht. Sie wächst also nicht mitten im Wald, sondern auf Wiesen und Weiden. Gemeinsam kommen beide Pflanzen nur sehr selten an lichten Waldrändern und sehr jungen Wäldern auf ehemaligen Weiden vor.

Der Aronstab hingegen hat dieselben Nährstoffansprüche wie der Bärlauch. Hier kann aufgrund des Standorts kein Ausschluss erfolgen, allerdings sind die Blätter bei genauem Hinsehen unverwechselbar.

Giersch

Über jungen Giersch habe ich ja schon letzte Woche geschrieben. In diesem Stadium ist er m.E. auch nicht mit anderen Doldenblütlern, das sind diese schirmförmigen Blütenstände mit meist weißen kleinen Blüten, zu verwechseln.

Wenn die Pflanze ausgewachsen ist und in großen weißen Dolden blüht, dann kann sie mit anderen Doldenblütlern, von denen viele wie z.B. der Schierling hochgiftig sind, verwechselt werden. Allerdings schmecken die Blätter dann auch überhaupt nicht mehr, sodass ich sowieso keinen blühenden Giersch ernte.

Essbare Pflanzen: Giersch
junger Giersch

Mich interessieren aber jetzt, im Frühjahr, sowieso nur die Blätter und diese könnt ihr leicht an folgenden Merkmalen erkennen:

Die Blätter kommen auf einem langen Blattstiel einzeln aus dem Boden, zuerst glänzend grün und noch weich und gefaltet. In diesem Stadium schmecken sie mir am besten. Später sind sie matt hellgrün. Besonders gut erkennt man den Giersch immer an seinem dreieckigen Blattstiel und den dreifach gefiederten Blättchen.

Die Blätter der verschiedenen Schierlingarten sehen komplett anders aus, sie haben lange schmale Blätter.

Fichtenspitzen

Giftiger Doppelgänger: die Eibe
Giftig: die Eibe

Fichtenspitzen kann man im April herrlich ernten, um daraus leckeren Fichtenspitzenhonig herzustellen (Dieses Rezept habe ich letztes Jahr nachgekocht und es hat sehr lecker geschmeckt). Bitte schaut aber genau hin, nicht dass ihr die Spitzen der giftigen Eibe erwischt. Die Eibe hat ähnlich wie die Tanne weiche, dunkle, breitere Nadeln (und im Herbst giftige rote Beeren).

Ein Hinweis zum Ernten von Fichtenspitzen: Da, wo ihr die Spitzen abbrecht, kann der Baum nicht weiter wachsen, also niemals die Spitzen von ganz oben nehmen oder zu viele Spitzen von einem Baum.

Holunder – Zwergholunder

Ich liebe ja die Blüten des Holunders. (Darauf müssen wir hier noch eine ganze Weile warten) und habe letztes Jahr schon hier darüber geschrieben. Nicht nur bei uns im Garten, auch im Wald wächst bei uns viel Holunder, hier solltet ihr darauf achten, dass ihr ihn nicht mit dem gifitgen Zweigholunder verwechselt. Der Zweigholunder wird, die der Name schon verrät, nicht so groß wie sein großer Cousin, nur ca. 1.50 m. Seine Blätter riechen unangenehm, die Blüten nach Bittermandel. M.E. ist der Zwergholunder aber auch viel seltener als sein ungiftiger Verwandter.

Sammeltipps:

Hier habe ich schonmal darüber geschrieben, was ihr beim Sammeln von essbaren Pflanzen beachten müsst.

Eine Gefahr, die ihr auch noch beachten solltet, ist der Fuchsbandwurm. Hier findet ihr eine fundierte Gefahrenanalyse und Tipps von einer Botanikerin.

Doch soll all das euch nicht davon abhalten jetzt loszugehen, draußen umherzustreifen und das erste frische Grün, die ersten essbaren Pflanzen zu sammeln. Was findet sich in eurem Korb?

Literatur:

Schneider/Beiser/Gliem, Wild- und Heilkräfte, Beeren&Pilze finden. Ulmer Verlag 2016.
Eva-Maria und Wolfgang Dreyer, Wildkräuter, Beeren und Pilze. Erkennen und Sammeln. Kosmos Verlag 2015.
Elisabeth Kalous/Gregor Dietrich, Keine Angst vor Giftpflanzen, AV-Buch 2006.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.