Färbepflanzen vor der Haustür: der Weißdorn

Weißdorn

Der Weißdorn hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Eingezogen ist er dort, seitdem wir umgezogen sind und eine Weißdornhecke in unserem Garten vorfanden. (mehr darüber hier). Als ich anfing, mich mit ihrer Herkunft zu beschäftigen, fiel mir unser Straßenname auf: Langenhege. Hege ist mittelhochdeutsch und bedeutet „Umzäunung, Einhegung“.

Historisch: Weißdorn und Hagedorn

Als die Äcker in dieser Gegend in den 30er Jahren bebaut wurden, wählte man die Namen der Straßen nach alten Flurnamen. Langenhege gehört dazu und verweist auf eine lange Tradition der Einhegung. Diese Hecken bestanden vor allem aus Weißdorn (zusammen mit Schlehe, Wildrose, und Brombeere). Sein altdeutscher Name ist Hagedorn. Hag ist ein natürliches Gehege, es entsteht wenn Tiere die Sträucher immer wieder verbeißen. Diese werden dann immer dichter. In einem Haus, das von einem Hagedornhecke umgeben war, konnten die Bewohner gut schlafen, weder Tier noch Räuber konnten hinein.

So haben schon die ersten Jäger und Sammler Hagedornhecken zur Begrenzung ihrer Grundstücke verwendet. Und auch das Gebiet, wo heute unser Haus steht, ist nachweislich zur Bronzezeit besiedelt und landwirtschaftlich bearbeitet worden. Schon damals hat der Weißdorn den Siedlern geholfen, ihr Haus zu schützen.

Und so verbindet mich die Weißdornhecke, die wir auf unserem Grundstück vorgefunden haben, mit unseren Vorfahren, die hier vor über 3.000 Jahren gelebt haben. Ich mag diesen Gedanken der Kontinuität, der Tiefe.

Zwar brauchen wir keinen Schutz vor wilden Tieren mehr und auch Räuber wird der Weißdorn heutzutage nicht abhalten, dennoch schläft es sich umgeben von Weißdorn hervorragend.

Seitdem ich herausgefunden habe, dass der Weißdorn blüht, wenn man ihn nicht regelmäßig mit der Heckenschere schneidet, freue ich mich noch viel mehr, denn jetzt sitzen wir immer im Mai im schönsten Blüten- und Duftmeer, das man sich nur vorstellen kann.

Doch nicht nur fürs Auge ist die Weißdornblüte ein Fest, auch die Insekten freuen sich darüber, können sie sich doch am Nektar laben. Und im Herbst, wenn die Früchte ausgereift sind, fallen große Scharen von Vögeln in den Weißdorn ein. Letzten Winter haben wir uns über einen Schwarm von Wacholderdrosseln besonders gefreut, der mehrmals wiederkam.

Weißdorn zum Heilen

Auch für die Menschen ist der Weißdorn ein Segen. Ein Tee aus Weißdornblüten wirkt herzstärkend, blutdruckregulierend und krampflösend. Er ist gut fürs Herz, gegen Schlaflosigkeit und Stress – und er schmeckt auch ganz famos. Dafür werden 2 Teelöffel Blüten mit einer Tasse kochenden Wassers übergossen. Der Tee sollte schluckweise über einen längeren Zeitraum getrunken werden, empfohlen werden zwei bis drei Tassen am Tag.

Färben mit Weißdorn

Mit Weißdorn gefärbte Wolle

Doch der Weißdorn kann noch mehr. Auch zum Färben ist der Weißdorn sehr gut geeginet. Ich habe schon letztes Jahr Wolle und Stoffe damit gefärbt und auch dieses Jahr hat mir der Weißdorn wieder tolle Farben beschert. Dabei ernte ich immer nur vorsichtig und nie zuviel, schließlich sollen meine Freunde, die Vögel, im Herbst auch noch etwas zu fressen finden.

Um dem Weißdorn seine Farben zu entlocken, braucht man allerdings man ein bisschen Geduld, so einfach gibt er seine Farben nicht her. Ich habe die Blüten und Zweige (nur mit jungen Zweigen habe ich auch schon gute Ergebnisse erzielt, allerdings nicht durchgehend, da war auch mal beige dabei) immer mindestens eine Stunde lang köcheln lassen und hinterher mindestens eine Nacht, im Regelfall noch länger, ziehen lassen. Sobald der Sud eine schöne, rötliche Farbe hatte, den Weißdorn abseihen und das Färbegut in die Flotte tun. Wieder erhitzen und warten, warten, warten. (Mehr Tipps zum Färben habe ich dir hier aufgeschrieben). Von der Menge her habe ich mich ungefähr an das Verhältnis 1:1 gehalten.

Kreativ sein

mit Weißdorn gefärbter Stoff
Der oberste Stoff wurde mit Weißdorn gefärbt, der gelbe mit Kamille, der graue mit Brennnesseln.

Da es jetzt ja schon hochsommerlich heiß ist, färbe ich im Moment keine Wolle, sondern Stoffe. Ich habe das Glück alte, weiße Bettwäsche geerbt zu haben, die ich nun kontinuierlich einfärbe und weiterverarbeite. Vielleicht findet ihr ja das ein oder andere Stück Stoff auf dem Flohmarkt oder in Second-Shops, für Leinen schaue ich immer bei Bioleinen.

Ich verarbeite meine gefärbten Stoffe zu kleinen Taschen weiter, davon kann ich einfach nie genug haben. Falls euch das zu aufwändig ist, macht doch bei der Verlosung mit.

Verlosung

Bei Kaliko gibt es ganz wunderschöne Taschen und Rucksäcke aus pflanzengefärbten Materialien. Ich finde die Taschen wirklich hinreißend und freue mich sehr, dass ich hier an dieser Stelle diese Tasche von Ania verlosen darf.

Diese wunderschöne Tasche könnt ihr gewinnen.
Beide Seiten der Tasche

Die Taschen sind aus GOTS zertifizierter Baumwolle. Sie werden von Ania in ihrer Küche mit Zwiebeln gefärbt. Der Stoff wurde mehrmals gefärbt, um eine intensive Farbe und unterschiedliche Schattierungen zu erreichen.  Ania verwendet in dem gesamten Prozess keine chemischen Produkte, sowohl Stoffe als auch Färbungen sind natürlich. Die Farne auf den Taschen wurden mit der Hand auf die Taschen gestempelt, jede Tasche ist also ein Einzelstück. Die Tasche kann u.a. für Strickprojekte verwendet werden, es passt ein großes Strickprojekt wie ein Pullover oder Shawl hinein.

Falls ihr euch diese Schmuckstücke ansehen wollt: Ania hat gerade ihren ersten Laden in Berlin in der Allerstraße 11 eröffnet, wo sie auch Workshops fürs Färben mit Pflanzenfarben abhält (mehr Informationen hier).

Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen wollt, dann hinterlasst doch bitte hier einen Kommentar, am 24.05.18 um 10.00 Uhr (Update: Verlängerung bis 30.5.) werde ich die Tasche unter allen Kommentator*innen verlosen.

Und nun raus in die Natur. Wo steht der nächste Weißdorn bei euch? Schaut euch die nächste Hecken an, die Sträucher, die am Waldes- und Wiesenrand stehen. Vielleicht hat auch euer Nachbar noch einen im Garten? Oder im nächsten Park. Es gibt so viel schönes zu entdecken!

Ich wünsche euch viel Spaß draußen.

Herzliche Grüße

Kathrin

Quellen:

Regina Sommer, Das Haarkleid der Erde, Biber Verlag 2010.

Museumsverein Reinbek e.V., Wege durchs Reinbeks Geschichte, Sutton Verlag 2009.

16 Kommentare

  1. Wie immer, interessant. Besonders der geschichtliche Aspekt zum Hegedorn und dem eingehegten geschützten Wohnen. Vielleicht probiere ich es mit dem Färben demnächst mal selbst.
    Liebe Grüße
    Agnes

    1. Liebe Agnes, vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich sehr, dass dir die geschichtlichen Aspekte gefallen, mir liegen sie sehr am Herzen. Liebe Grüße Kathrin

  2. Schon letztes Jahr hat mich dein Text zum Weißdorn fasziniert, heuer habe ich Essbares für die Kinder gepflanzt, aber er bleibt fest auf meiner Wunschliste.
    Alles Liebe, Ursula

  3. Da will ich mein Glück versuchen.
    Du beizt den Stoff mit Soja ?
    Auf Wolle mit Alaun gibt Weissdorn eine völlig andere Farbe..und dabei bin ich do h auf der Suche nach Rosa…jetzt habe ich Krapp angesetzt…
    Liebe Grüße
    Stella

    1. Liebe Stella, der Stoff oben ist mit Alaun gebeizt, die Wolle auch. Welche Farbe hat Weißdorn bei dir ergeben? Womit hast du gefärbt? Es hängt ja immer von so vielen Faktoren ab. Birke soll ja auch rosa machen, da habe ich bis heute kein Glück gehabt. Wünsch dir auf jeden Fall viel Erfolg mit Krapp. Liebe Grüße Kathrin

  4. An unserem Radweg stehen viele Weißdornsträucher,die ich nun ganz neu erlebe…
    Naturgefärbte Dinge sind wunderschön ,so harmonisch und zu Allem passend, leider habe ich mir bis jetzt nie getraut,so etwas selber auszuprobieren.
    vielleicht gewinne ich die zauberhafte Tasche…?!

    1. Liebe Jo, Das freut mich sehr, dass du die Weißdornsträucher jetzt mit neuen Augen sehen kannst. Beim Färben kann man gar nichts falsch machen, die Ergebnisse sind immer individuell und unterschiedliche, das finde ich gerade das Schöne daran. Liebe Grüße Kathrin

  5. Oh, der Weißdorn hat es mir auch sehr angetan. Ich glaube, er ist meine persönliche Heilpfanze. Ich mache immer einen Tee aus Blüten, Blättern und Beeren, da ich unter hohem Blutdruck leide. Aber gefärbt habe ich damit noch nicht. Vielen Dank für all die tolle Inspiration und die Chance, diese fantastische Tasche zu gewinnen ♥️
    Liebe Grüße, Gesche

    1. Liebe Gesche, wie schön eine weitere Weißdornverbündete gefunden zu haben. Für Tee wollte ich die Blüten auch noch sammeln. Viel Spaß beim Färben! Liebe Grüße Kathrin

  6. Wiedermal so ein schöner Beitrag. Leider bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob der Strauch in unserer Ecke Weißdorn ist. Auf jeden Fall werde ich weiterhin alles verfolgen u wenn möglich ausprobieren, was du schönes schreibst. Danke dir.

  7. Danke für deinen Artikel, so bleibe ich doch über einen kleinen „Umweg“ immer mit dem Färben in Kontakt. Bis ich irgendwann mal wieder selbst Zeit dafür habe.😁Liebe Grüße Johanna

  8. Wie faszinierend. Das muss ich unbedingt probieren mit dem Färben… Farbe ja auch immer mal wieder Wolle mit Pflanzen. Weißdorn hab ich noch nicht probiert.
    Liebe Grüße, jeanette

    1. Liebe Jeanette, schön, das freut mich sehr. Ich bin ganz gespannt auf deine Ergebnisse. Falls der Weißdorn bei dir schon geblüht hat, würde ich zum Färben junge Zweige ohne Blüten verwenden. Viel Erfolg. Liebe Grüße, Kathrin

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